Kleine Händler sind das Salz in der Suppe

Seit 2017 ist Thomas Weckerlein Mitglied im Vorstand des Familienunternehmens Rudolf Wöhrl SE. Im Januar 2021 wurde er zum Vorstandsvorsitzenden berufen und steht seitdem an der Spitze eines der größten familiengeführten Modeunternehmen in Deutschland. Am 18. August war er zu Gast beim UnternehmerTALK zum Thema „Kampf ums Überleben – wie sieht die Zukunft des Handels aus?“

Mit 29 Filialen prägt das 1933 gegründete Modehaus WÖHRL vor allem die süddeutschen Innenstädte. Durch eine strategische Fehlentscheidung musste das Familienunternehmen 2016 Insolvenz anmelden. Dass die Rettung aus dem Familienkreis kommen muss, stand von Anfang an für alle Beteiligten fest. Schließlich stimmte 2017 die Gläubigerversammlung einer Übernahme durch Christian Greiner, Enkel des Firmengründers Rudolf Wöhrl, zu und WÖHRL entwickelte sich zum Paradebeispiel für den Neuanfang nach der Insolvenz.

Auch wenn das Unternehmen in den vergangenen Jahren in den eCommerce eingestiegen ist und mit seinem eigenen Onlineshop gute Umsätze generieren kann, ist Thomas Weckerlein überzeugt davon, dass der stationäre Handel niemals ganz verschwinden wird. „Für mich sind vor allem die kleinen Händler das Salz in der Suppe“, bekräftigte er im Gespräch mit Sabine Michel beim UnternehmerTALK am 18. August. „Sie machen unsere Innenstädte so einzigartig und besonders.“

Deshalb setzt auch WÖHRL nach wie vor auf das Einkaufserlebnis vor Ort – statt sich nur noch auf den Onlinehandel zu fokussieren. Und es wird groß geplant. In Nürnberg soll bis Herbst 2022 das Stammhaus umgebaut und modernisiert werden. Das Konzept sieht die Integration verschiedener Stores, Gastronomie und zusätzlicher Service-Angebote vor. Damit setzt man ein Zeichen für den stationären Handel. „Die Entscheidung für diesen Umbau haben wir zwar vor Corona gefällt“, erzählt Weckerlein. „Doch wir stehen nach wie vor dazu. Wir wollen ein Einkaufserlebnis schaffen, das auf guter Beratung, exzellentem Service und Menschlichkeit gegründet ist.“

Kleineren Händlern, die von der Krise gebeutelt sind, kann Thomas Wöhrl nur raten, durchzuhalten – auch wenn es noch so schwer ist. „Es ist erstaunlich, welche Kreativität sich in den vergangenen Monaten gerade bei den kleinen Läden entwickelt hat. Viele haben über die sozialen Medien ihre Stammkunden angesprochen und Möglichkeiten geschaffen, ihre Waren trotz Lockdown an den Mann zu bringen“, so Thomas Weckerlein. Da wünsche er sich manchmal auch, klein zu sein, denn diese Flexibilität ist bei einer großen Kette gar nicht möglich.

Ein weiterer Schritt in Richtung Zukunft ist die verstärkte Fokussierung auf Nachhaltigkeit. Im April 2021 hat WÖHRL sein neues Label bioRE gelauncht, das ausschließlich Produkte aus nachhaltiger Produktion und transparenten Lieferketten vertreibt. Verbraucher legen immer größeren Wert auf Umweltschutz und Verantwortung, das spiegelt sich auch in ihrem Einkaufsverhalten wider. Wer hier nicht mitzieht, riskiert gerade die jüngere Zielgruppe zu verlieren.

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